Ein Golfurlaub ist eine der schönsten Möglichkeiten, den Sport zu erleben: neue Plätze, andere Landschaften, angenehmes Klima, gutes Essen – und endlich genug Zeit für das, was du liebst. Gleichzeitig entsteht auf Golfreisen oft ein besonderer Druck: „Jetzt bin ich in diesem Traumresort, da muss ich doch gut spielen.“ Wenn dann der Score nicht passt, kippt die Stimmung schnell – und das, obwohl du eigentlich zur Erholung dort bist.
Mentales Golftraining hilft dir, diesen Spagat zu meistern: Du kannst konzentriert spielen, deine Runden ernst nehmen, aber gleichzeitig locker genug bleiben, um Urlaub, Hotel, Essen und Gemeinschaft wirklich zu genießen.
1. Golfurlaub: Mehr als nur 18 Löcher
Im Alltag ist eine Golfrunde meist klar abgegrenzt: Anreise, spielen, heimfahren. Im Golfurlaub ist alles miteinander verwoben – Frühstück, Range, Runde, Spa, Abendessen, Bar.
Das hat drei Folgen:
- Du bist körperlich und mental anders belastet (mehr Runden in kurzer Zeit, ungewohnte Temperaturen, andere Grüns).
- Der soziale Rahmen ist intensiver: Du verbringst mehr Zeit mit Partner, Freunden oder Reisegruppe – inklusive kleiner Wetten, Vergleiche und Späße.
- Du willst „alles mitnehmen“: möglichst guten Score, möglichst viel Genuss, möglichst viele Erlebnisse.
Genau deshalb ist es so wichtig, deine innere Haltung bewusst zu wählen: Der Urlaub darf nicht an ein paar schlechten Schlägen hängen. Dein Score ist Teil des Erlebnisses – aber nicht das Urteil über deinen gesamten Trip.
2. Golfurlaub ohne Druck: Die richtige Grundhaltung finden
Bevor du überhaupt auf den ersten Urlaubskurs gehst, lohnt sich ein ehrlicher innerer Check.
Stell dir diese Fragen:
- Was ist mir in diesem Urlaub wirklich am wichtigsten? Erholung, Zeit mit meinem Partner/mit Freunden, neue Plätze kennenlernen, sportliche Höchstleistung – oder eine Mischung?
- Wie möchte ich mich am Ende der Reise erinnern: an Zahlen auf der Scorekarte oder an besondere Momente?
Eine hilfreiche Grundentscheidung könnte lauten:
- „Ich nehme mein Golf ernst genug, um konzentriert zu spielen – aber leicht genug, um meinen Urlaub nicht dem Score zu opfern.“
Das gibt dir einen inneren Kompass: Du darfst ehrgeizig sein, aber nicht im „Turnierkäfig“ sitzen, während um dich herum Urlaub passiert.
3. Mentale Vorbereitung vor der Urlaubsrunde

Auch im Golfurlaub gilt: Wie du in eine Runde hineingehst, entscheidet viel darüber, wie du sie erlebst.
3.1 Urlaubstaugliche Ziele setzen
Statt nur an Handicap und Stableford zu denken, wähle Ziele, die zum Urlaub passen:
- „Ich möchte jeden Platz bewusst erleben – Layout, Ausblicke, besondere Löcher.“
- „Ich möchte pro Runde ein bis zwei Entscheidungen treffen, bei denen ich bewusst kluges Course-Management anwende.“
- „Ich möchte mit mir selbst freundlich umgehen, auch wenn es mal gar nicht läuft.“
Diese Ziele sorgen dafür, dass du dich über mehr freuen kannst als nur über die Endzahl an der Tafel.
3.2 Entspannung als Teil der Strategie
Weil du im Urlaub bist, darf deine Vorbereitung angenehm sein:
- Ein kurzer Spaziergang zur Range, ein paar ruhige Schwünge, ohne Trainingsdruck.
- Ein paar Putts, um das Tempo der Grüns zu fühlen – nicht, um sofort alles „perfekt“ zu machen.
- Vielleicht ein Moment auf der Terrasse oder am Putting-Green, in dem du dir bewusst sagst: „Ich bin hier, um eine gute Zeit zu haben.“
Diese innere Entspannung nimmt Druck raus, bevor er überhaupt entsteht.
4. Fokus auf dem Platz: Konzentriert spielen, Urlaub genießen
Auch im Urlaub wirst du bessere Runden spielen, wenn du die entscheidenden Momente ernst nimmst – aber bitte im Spielmodus, nicht im Prüfungsmodus.
Der Unterschied:
- Prüfungsmodus: „Ich darf keinen Fehler machen, sonst ist die Runde ruiniert.“
- Spielmodus: „Ich gebe bei jedem Schlag mein Bestes – und nehme das Ergebnis, wie es kommt.“
Nutze das „Fokus an / Fokus aus“-Prinzip:
- Beim Gehen zwischen den Schlägen: plaudern, schauen, genießen, Fotos machen, die Landschaft aufnehmen.
- Kurz vor dem Schlag: Fokus an – Ziel anschauen, Entscheidung treffen, Routine, Visualisierung, Schlag.
So hast du kurze Phasen voller Konzentration, eingebettet in eine insgesamt entspannte, urlaubstypische Atmosphäre.
5. Pre-Shot-Routine als sicherer Anker auf neuen Plätzen
Unbekannte Plätze können einschüchtern: Wasser links, Schluchten, Palmen, ungewohnte Bunker, andere Optik am Horizont. Deine Pre-Shot-Routine ist dein vertrautes Stück „Heimat“ mitten in dieser neuen Umgebung.
Eine einfache, urlaubstaugliche Routine könnte so aussehen:
- Blick auf Ziel und Umgebung: Wo ist sicher, wo ist Risiko?
- Entscheidung: Schläger wählen, Schlagtyp festlegen – dann nicht mehr umentscheiden.
- Ballflug kurz innerlich sehen: Startlinie, Höhe, Landepunkt.
- 1 Probeschwung nur mit Fokus auf Rhythmus und Balance.
- Ausrichten, ein ruhiger Atemzug, Schlag.
Diesen Ablauf nutzt du bei jedem Schlag – egal ob an Loch 1 oder am Signature Hole mit Meerblick. Gerade dort, wo du am liebsten „besonders“ gut spielen möchtest, hilft dir das enorm.
6. Visualisierung im Golfurlaub: Erfolgsbilder im Kopf nutzen
In einem schönen Golfresort spielst du fast automatisch in Bildern: das Meer im Hintergrund, Berge am Horizont, ein Grün auf einem Plateau. Das ist perfekte Bühne für Visualisierung.
- Vor dem Schlag kannst du dir vorstellen, wie dein Ball in diese Szenerie hineinfliegt: leicht drawend über die Palmen, sicher links vom Wasser, hoch ins Grün.
- Nach der Runde lohnt es sich, ein oder zwei der schönsten Schläge kurz noch einmal innerlich durchzugehen – du „sammelst“ damit positive Erinnerungen, die dein Selbstvertrauen langfristig stärken.
Viele Golfer nehmen aus solchen Urlauben genau diese inneren Bilder mit nach Hause und können sie Wochen später auf ihrem Heimatplatz wieder abrufen.
7. Locker bleiben bei Wetten & Freundschaftsturnieren
Kein Golfurlaub ohne kleine Wettbewerbe: Bestball mit Freunden, internes Resortturnier, „Wer die Getränkerunde zahlt“.

7.1 Den Rahmen bewusst wählen
Frage dich vor der Runde:
- Ist das heute für mich ein Spaß-Event oder möchte ich wirklich so nah wie möglich an mein bestmögliches Niveau kommen?
- Wie sehr möchte ich das Ergebnis emotional an mich heranlassen?
Du darfst bewusst sagen: „Das ist heute Gaudi mit Wertung.“ Damit nimmst du dir das Recht, auch bei einem schlechten Ergebnis einen großartigen Tag zu haben.
7.2 Kleine mentale Tricks für die „Spaß-Druckmomente“
Wenn dann doch der Putt fällt, bei dem alle hinschauen:
- Geh einmal bewusst aus der Situation raus (Blick in die Ferne, Atemzug), bevor du den Ball adressierst.
- Sag dir innerlich etwas Einfaches wie „Nur meine Routine“ oder „Ruhiger Schlag“.
- Nach dem Putt – egal wie er ausging – zurück in den Urlaubsmodus: lachen, anstoßen, weiterspielen.
So bleiben diese Momente Teil des Spaßes – und nicht der Ursprung von Frust.
8. Clever mit Fehlern umgehen: Score retten, Laune behalten
Nichts ist schade wie ein wunderschöner Urlaubstag mit Meerblick, den man sich innerlich verdirbt, weil man zwei Bälle ins Wasser gehauen hat.
Hilfreiche Perspektivwechsel:
- Statt „Wie konnte mir das passieren?“ lieber: „Das Loch war heute stärker als ich – morgen probiere ich eine konservativere Linie.“
- Statt „Mein ganzes Spiel ist schlecht“: „Das war heute eine Lernrunde auf einem neuen Platz. Der Score ist nur ein Snapshot, nicht mein Lebenszeugnis als Golfer.“
Erlaube dir, nach einem richtig schlechten Loch sogar bewusst zu sagen:
- „Okay, das war teuer – aber ich bin im Urlaub. Jetzt genieße ich erst recht den Rest des Platzes.“
So trennst du Erholung und Einzelereignisse etwas voneinander.
9. Einfaches Mentaltraining-Programm für deinen Golfurlaub
Zum Schluss ein kleines Programm, das du für jede Golfreise übernehmen kannst:
Vor dem Urlaub:
- Kläre für dich: Bin ich auf dieser Reise eher „Golfer, der Urlaub macht“ oder „Urlauber, der Golf spielt“?
- Formuliere eine entspannte Grundhaltung: „Ich möchte gut spielen – aber meine Erholung geht vor.“
Vor jeder Runde:
- Lege 2–3 weiche Ziele fest: genießen, Routine spielen, freundlich mit dir selbst umgehen.
- Plane genug Zeit ein, um ohne Hektik am ersten Abschlag zu stehen.
Während der Runde:
- Nutze Fokusphasen vor dem Schlag, dazwischen bewusst Urlaubsmodus.
- Halte deine Routine konsequent, gerade an spektakulären Löchern.
- Lache über missglückte „Hero-Shots“ – sie gehören zu Urlaubsgolf dazu.
Nach der Runde:
- Merke dir bewusst 3 positive Dinge: ein Schlag, ein Moment mit Mitspielern, ein Blick, ein Gefühl.
- Wenn du magst, notiere 1 Lernpunkt für den nächsten Tag – mehr nicht.
So kommst du aus dem Golfurlaub nicht nur mit Fotos und Scorekarten zurück, sondern mit einem stabileren, entspannteren Mindset, das dir auch zu Hause auf dem Platz hilft.





